Rassismuskritik

 
 

Rassismuskritik

 
Ayşe Cindilkaya

Antimuslimischer Rassismus

Impulse und konzeptionelle Anregungen

Dieser Beitrag entstand für die Broschüre (PDF-Dokument, 5.4 MB) „Vor Gott sind alle Menschen gleich. Beiträge zu einer rassismuskritischen Religionspädagogik und Theologie“

 

„Repräsentative Umfragen verdeutlichen, dass in der deutschen Bevölkerung starke Vorbehalte gegenüber Muslimen existieren, die in den letzten Jahren zugenommen haben. In Regionen, in denen Menschen keine alltäglichen Kontakte zu Muslimen machen, gedeihen die Vorurteile besonders gut. Muslime gelten als gewaltaffin, fundamen­talistisch, frauenfeindlich und bildungsfern. Zugleich sehen sich Menschen mit muslimischem Familienhintergrund, ob praktizierend oder nicht, Rassifizierungen und rassistischen Praktiken ausgesetzt und erfahren Benachteiligungen, z.B. auf dem Wohnungs-, Bildungs- oder Arbeitsmarkt.“

 
Dominik Gautier

Himmelfahrt und Herrschaftskritik

In einem gedanklichen Vierschritt nimmt Gautier die Leser mit in seine Überlegungen über das motivierende und das problematische an der Himmelfahrt von Jesus Christus. In ersten Schritt stellt er heraus, dass sich alle Menschen durch das Geschehen der Himmelfahrt als „Erhöhte“ begreifen dürfen. Doch von dieser „Erhöhung“ der Glaubenden ginge die Gefahr aus, dass Gewalt gegen Frauen, Juden und Schwarze legitimiert werden könne. Doch von James H. Cone lernt Gautier eine andere Interpretationsmöglichkeit, die besagt, dass „das Sprechen von Jesus Christus als eine heilsame Unterbrechung weißer Vorherrschaft verstanden werden muss“ und das Kreuz ein Solidaritätssymbol für solche, „die unter den Bedingungen weißer Vorherrschaft Gewalt erfahren“.

Gautier beendet seine Überlegungen mit selbstkritischen Gedanken über das eigene Verwickelt-Sein in antisemitische und rassistische Denkstrukturen. Dieses selbstkritische Denken sei der erste notwendige Schritt um Änderungen zu verwirklichen.

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Prof. Dr. Wilhelm Gräb

Für Volk und Abendland!

Wie viel Religion verträgt Demokratie?

Vortrag am 20. März 2015 in Waren/Müritz

 

Junge konfessionslose Männer ohne jeden Bezug zu gelebter Religion stellen den überwiegenden Teil der Pegida-Demonstranten dar. Für Prof. Dr. Gräb liegt hier eine ebenso religiöse wie kulturelle Verunsicherung, eine geistige Desorientierung auf der Hand. Wichtig dabei ist, dass es Religion zu verstehen gelte als „das, was Menschen ihre sie weltanschaulich orientierende Gewissheit gibt, das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen“. Dieses Gefühl könnten beispielsweise auch, Nation, Partei oder Sozialismus vermitteln, denn die „Frage, ob die Menschen an Gott glauben, ist gar nicht so entscheidend dafür, ob sie Religion haben oder nicht.“

Als in diesem Sinne erweiterter Religionsbegriff stellen „Religionen in allen geschichtlichen Zivilisationen und auch in der heutigen Weltgesellschaft eine ebenso wichtige wie gefährliche Sinnorientierungsmacht“ dar. Auf die Chancen und Gefahren von Religion in diesem Sinne geht Gräb im Verlauf seines Vortrages ein.

 
Hadija Haruna-Oelker

Schwarz und Deutsch:

Zur Geschichte einer ignoranten Gegenwartsgesellschaft

Vortrag gehalten auf der Tagung „Rassisten sind immer die Anderen. Über Verstrickung und Handlungsmöglichkeit“ vom 13. bis 15. März 2015 in der Evangelischen Bildungsstätte auf Schwanenwerder

 

„Afrika: 54 Länder auf etwa 22 Prozent der Landfläche der Erde. […] Seit den 80er Jahren betitelt mit ‚Der vergessene Kontinent‘. Das Deutschland einmal Kolonien besaß und ein geschlossenes Kolonialreich anstrebte, wurde aus dem nationalen Gedächtnis weitgehend verdrängt.“
Hadija Haruna füllt mit ihrem Kurzabriss der schwarzen deutschen Geschichte eine Wissens- und Bewusstseinslücke der deutschen Erinnerungskultur. Gleichzeitig fordert sie eine ehrliche Debatte über Rassismus in Deutschland – nicht aus „formelhafter politischer Korrektheit“ sondern aus Verantwortung. Für die theologische Aufarbeitung und Bearbeitung von Rassismus stellt dieses Bewusstsein eine notwendige Grundlage dar.

Mehr Arbeiten von Hadija Haruna finden Sie auf ihrer Website.

 
Silke Radosh-Hinder

Theo-politische Implikationen christlicher Gemeindepraxis

Diesen Artikel finden Sie auch in der Broschüre „Vor Gott sind alle Menschen gleich. Beiträge zu einer rassismuskritischen Religionspädagogik und Theologie“

 

Radosh-Hinders Thesen sind im Kontext selbst reflexiver Praxis kirchlichen Handelns entstanden. Die von ihr wahrgenommenen Handlungsfelder konfrontiert sie mit politischen und rassismuskritischen Fragestellungen.

Sie stellt fest, dass die protestantischen Kirchen in Deutschland überwiegend weiß sind und auch in anderen Aspekten kein Spiegelbild der Gesellschaft darstellen können. Dies dürfe aber keinen Grund darstellen den Fragen nach rassismuskritischem Handeln auszuweichen. Vielmehr gelte es den biblischen Realitätsanspruch von der Ebenbildlichkeit Gottes ernst zu nehmen. Christliche Inhalte würden im öffentlichen Raum verhandelt werden, somit agiere Christentum auch politisch. Radosh-Hinder beendet ihre Thesen mit drei Reflexionen aus der Praxis.

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Dr. Christian Staffa

Ein Ruck muss durch die Kirche gehen!

Artikel veröffentlicht in „die Kirche“ am 27. November 2011

 

Anlässlich der Aufdeckung der rechtsterroristischen Gruppierung NSU im November 2011 drückt Dr. Staffa sein Unverständnis über die Verharmlosung menschenfeindlicher Einstellungen aus, die in unserer Gesellschaft nicht nur am Rand, sondern zunehmend auch in der Mitte zu finden sind.

Doch es reiche nicht, diese Einstellung in der Gesellschaft allgemein zu konstatieren. Studien zeigten, dass diese Einstellungen in den christlichen Kirchen genauso, wenn nicht häufiger zu Hause sind, wie im Rest der Gesellschaft. Es liege in der Verantwortung der Kirchen, ihren Glauben und ihre Theologie in diese gesellschaftliche Auseinandersetzung inhaltlich einzubringen.

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Dr. Christian Staffa

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht … oder?

Gedanken zum Verhältnis von Christenmenschen zu Sorgen und Ängsten

Dr. Christian Staffa

 

„Rassismus ist Sünde“ ist die erste zentrale Aussage in Christian Staffas Text im Informationsheft der Interkulturelle Woche 2017. Obwohl heute weitgehend anerkannt, sei diese Einsicht gemessen am Alter der Kirche eher jung. Die kirchliche Gemeinschaft aber dürfe die Verantwortung nicht außerhalb ihrer eigenen Reihen suchen, sondern ihren Anteil daran anerkennen. Denn Rassismus sei nicht irgendein beiläufiges Fehlverhalten, sondern grundlegend dem christlichen Bekenntnis entgegengesetzt. Vor diesem Hintergrund gibt Christian Staffa Vorschläge, was eine biblisch-theologischer Antwort auf die viel thematisierten Sorgen und Ängste von X-Gida Formationen sein kann.

 
Dr. Christian Staffa

Pegida +

Was heißt hier Sorge?
Über Pegida und die Wahrnehmung von Rassismus und Aggression

Erweiterte Fassung eines fast gleichnamigen Beitrages für die Zeitschrift Forum Erwachsenenbildung des Comenius Institutes (Heft 2/2015)

 

Auf die Frage, warum es Pegida gibt, wurden bereits viele Antwortversuche unternommen. Eine der am häufigsten genannten Motive ist neben der Angst vor Statusverlust die Angst vor dem Verlust der nationalen Identität. Dr. Staffa sieht in dieser angeblichen Sorge vielmehr den „Ausdruck des eigenen Wunsches nach – noch stärkerer – kultureller Hegemonie“. Somit handele es sich bei dem „Pathos der Verteidigung des Abendlandes“ vielmehr nicht um eine Defensive sondern um eine aggressive Attacke. Schließlich werde auch das Kreuz in der Geschichte nicht zum ersten Mal als Kampfinstrument verwendet.

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Dr. Sonja Angelika Strube

Religiös und rechtsextrem?

Beobachtungen zu unerwarteten Anschlussmöglichkeiten

Diese stark gekürzte Fassung erschien am 12.12.2015 unter auf „feinschwarz.net – Theologisches Feuilleton“.
Den ungekürzten Artikel finden Sie hier (PDF-Dokument).

 

Vernetzungen zwischen rigiden (oft privaten), sich christlich verstehenden Gruppen und Medien mit Gruppen und Medien der Intellektuellen Rechten lassen sich schon lange im Internet beobachten. Der Frage, warum bestimmte Frömmigkeitsstile und extrem rechte Einstellungen offenbar miteinander harmonieren, geht Sonja Angelika Strube wissenschaftlich nach.

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Dr. Eske Wollrad

"Der Baum des Zorns hat viele Wurzeln"

Wie weltoffen kann ich als Weisse sein?

Dieser Beitrag entstand für die Broschüre „Vor Gott sind alle Menschen gleich. Beiträge zu einer rassismuskritischen Religionspädagogik und Theologie“

 

„Mein Leben begann an dem Tag, als alles zusammenbrach. Ich hatte mich in ein Bild geträumt – von mir als radikaler feministischer Befreiungstheologin. Ich hatte geträumt, meine Theologie sei befrei­end für alle Frauen der Welt, weil ich Sexismus anprangerte und seine Abschaffung forderte; ich war sicher: dies ist der richtige Weg, und ich fühlte mich im Besitz feministischer Wahrheit. Dann kam Yara, die sagte: Deine feministische Befreiungstheologie ist nicht befreiend für alle Frauen: Sie ist übliches Herrschaftsgerede, weil Du gar nicht alle Frauen meinst! Du richtest Dich an Frauen, die so sind wie du – Weiß, privilegiert, westlich. Ich war tief verletzt und empört. Aber sie hatte recht. Mein Traum zerplatzte. Der beste Weg, Träume wahr werden zu lassen, ist aufzuwachen.“

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Dr. Eske Wollrad

Körperpolitik

Feministisch-antirassistische Reflexionen zu Weißsein als Mythos und Terror

Vortrag auf der zweiten Europäischen Frauensynode für verstärkten interreligiösen Dialog vom 5. bis 10. August 2003.

 

In ihrem Vortrag auf der Europäischen Frauensynode reflektiert Dr. Wollrad kritisch die Gewaltunterschiede zwischen weißen und schwarzen Frauen. Der Körper werde politisiert, indem er „als Träger einer unveränderlichen Differenz, die wir in einem Augen-Blick sehen können“ gelte. Doch „Differenz“ sei kein neutraler Begriff, sondern verschleiere vielmehr eine gleichzeitige Wertung. Die Wertung, welche „weiß“ stets mit Vorherrschaft verbinde,, beruhe auf einem alten Mythos der sich auch in der christlichen Kirche wiederfinde. Dr. Wollrad fordert alle weißen Frauen auf, „kritische Analysen ernst zu nehmen und rassistischen Terror direkt in die Augen zu sehen – auch wenn diese Augen uns aus dem Spiegelbild anblicken.“

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Dr. Eske Wollrad

No Mohr!

In der alten und der neuen Fassung der Lutherbibel heißt es in Jeremia 13,23: „Kann etwa ein Mohr seine Haut wandeln oder ein Panther seine Flecken?“

 

Die neue Lutherbibel soll eine größere sprachliche Genauigkeit herstellen und gleichzeitig der Sprachkraft Martin Luthers gerecht werden. Die theologische Elite hat dabei beschlossen, dass der „Mohr“ nach wie vor in die Lutherbibel gehört. Dr. Eske Wollrad legt hier dar, warum dieser Begriff nicht nur im Sinne einer leidvollen Wirkungsgeschichte bedenklich, sondern auch im Sinne des hebräischen Originals falsch ist.

Dem Rat der EKD liegt ein Schreiben der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus sowie des Netzwerks „Antisemitismus- und -rassismuskritische Religionspädagogik und Theologie“ (NARRT) mit der Bitte um Prüfung der Übersetzung und Streichung des Wortes „M.“ vor. Und obwohl eine Entscheidung des Rats noch aussteht, ist eines heute schon deutlich: Das Ende der vermeintlich selbstverständlichen Definitionsmacht einer bestimmten kirchlich-theologischen Elite ist gekommen, und es ist Zeit für einen breiten öffentlichen Diskurs.

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Broschüre

Vor Gott sind alle Menschen gleich

Cover der Broschüre "Vor Gott sind alle Menschen gleich"

© Andreas Krannich

 

Beiträge einer rassismuskritischen Religionspädagogik und Theologie

Ein Kooperationsprojekt zwischen Aktion Sühnezeichen e.V., der Evangelischer Akademie zu Berlin und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus mit Beiträgen von Dr. Eske Wollrad, Rainer Möller, Silke Radosh-Hinder, Dr. Christian Staffa, Dominik Gautier und Ayşe Cindilkaya.

Broschüre (PDF-Dokument, 5.4 MB)