Predigten

 
 

Predigten

Dominik Gautier

Beunruhigende Gottesebenbildlichkeit

Predigt gehalten am 17. Juni 2016 in der Oldenburger evangelisch-lutherischen Nikolaikirche

 

Als Ebenbilder Gottes können wir gewiss sein, dass alle Menschen von Gott gewollt sind. Somit steht die Gottesebenbildlichkeit den rassistischen Denkweisen entgegen. Dennoch macht sich rassistischer Hass in der Mitte unserer Gesellschaft breit. Gautier widmet sich in seiner Predigt der Frage, was diese biblische Vorstellung der Ebenbildlichkeit für uns auf der Suche nach einem Weg aus dem Rassismus bedeutet. So solle uns die Ebenbildlichkeit nicht dazu bringen, unsere Identität für abgeschlossen zu halten, vielmehr sei es eine Chance unser Leben in seiner Unvollkommenheit zu begreifen. Denn so bestünde die Hoffnung, dass wir und die Gesellschaft, in der wir leben, anders werden könnten. Denn gerade dieses Unabgeschlossene, dieses Beunruhigende sei es, was rassistische Gedanken verhindere. „Nichts verabscheut der Rassismus (…) mehr als Menschen, die sich nicht fixieren lassen, die ständig in Bewegung sind, sich unaufhörlich selbst befragen und über Grenzen hinaus auf ein anderes Zusammenleben hoffen.“

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Thorsten Leißer

Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt.

Predigtanregung für einen Gottesdienst im Rahmen der Interkulturellen Woche zu LK 18,9-14

 

Was hat eine Fußball-Europameisterschaft mit dem Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner, das Jesus erzählt, zu tun? Das erklärt Pastor Thorsten Leißer in seiner Predigt und verbindet die Einsicht, dass Rassismus mit der Unfähigkeit einhergeht, das eigene Denken und Handeln zu reflektieren mit Fragen: Warum hängen wir so am Bild des weltoffenen Deutschlands und können nicht erkennen, dass viele Menschen tagtäglich die Erfahrung von Diskriminierung, Ausgrenzung und auch Gewalt machen? Dass Rassismus überall stattfindet. Auch in unseren Gemeinden. Aber Leißer zeigt uns auch Wege auf, wie das Zusammenleben in Vielfalt gelingen kann. Wie wir darauf vertrauen dürfen, dass der Zöllner uns den Weg weisen kann: Dadurch, die eigenen Vorurteile zu erkennen und zu überwinden. Dadurch, dass wir uns in Wertschätzung gegenüber anderen und uns selbst verändern.

 

Pastor Thorsten Leißer ist Stellvertretender Vorsitzender des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses zur Interkulturellen Woche. Er war sieben Jahr lang theologischer Referent für Menschenrechte und Migration im Kirchenamt der EKD, ist Mitglied der Niedersächsischen Härtefallkommission und Schatzmeister der Kommission der Kirchen für Migranten in Europa (CCME).

 
Karl-Georg Ohse

Toleranz und Protest im Umgang mit Rechtsradikalismus

Predigt von der Bürgerkanzel in St. Nikolai Wismar zu Lukas 7, 36-50

 

In der Predigt beschäftigt sich Ohse mit der Geschichte der Sünderin, welche Jesus die Füße salbt. Simon, der Gastgeber in der Geschichte, muss sich sehr über Jesus wundern, der sich von einer so offensichtlichen  Sünderin anrühren lässt. Er als unsündiger Mensch fühlt sich im Recht. Sind wir wie Simon? Wir wähnen uns auf der sicheren Seite. Wie würden wir reagieren, wenn Beate Zschäpe plötzlich in unserer Gemeinde auftauchen würde? Oder jemand anderes, der oder die offensichtlich in der rechtsextremen Szene aktiv ist? Sie rausschmeißen, wie Simon am liebsten die Sünderin rausgeschmissen hätte? Doch noch viel schwieriger ist die Frage, wie reagieren wir auf die nicht so offensichtlichen menschenfeindlichen Reden, die versteckten, die unterschwelligen Kommentare von Kolleg_innen, Freund_innen, oder auch Mitchrist_innen in unseren Gemeinden?

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Dr. Reza Sadeghi

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

Predigt zu Epheser 2,19

 

Diesen Satz aus dem Epheserbrief betrachtet Ali Reza Sadeghi aus verschiedenen Perspektiven. Er selber predigt aus der Perspektive eines Menschen, der fliehen musste, der ankommen konnte und nun Menschen begleitet, die ebenfalls fliehen mussten und für die noch nicht klar ist, ob sie ankommen dürfen. Die Predigt nimmt auch diejenigen in den Blick, die die Ankommenden aufnehmen können und er beschreibt die Chance für Gemeinden, wenn sie den Geflüchteten die Möglichkeit geben, sich mit ihren Fähigkeiten und ihrer anderen kulturellen Mentalität einzubringen.

Aber Ali Reza Sadeghi erzählt auch von denen, die wieder gehen müssen und er stellt Fragen nach Verantwortung. Er berichtet vom Gefühl der Ohnmacht mit nichts in den Händen auf einer Behörde vorsprechen zu müssen und von der Hoffnung und Geborgenheit, die er in der Nachricht aus dem Epheserbrief findet, dass Gott selbst uns Heimat sein will. So schließt er den Kreis zu denen, die nie ihre Heimat verlassen mussten und sich ebenso dort beheimatet fühlen dürfen.

 
Rev. Bev Thomas

Die Seligpreisung im Licht der aktuellen Situation

Bibelarbeit zu Matthäus 5, 1-10

Auftakt des 3. Forum Kirche und Rechtsextremismus im Norden vom 1.-2. Juli 2016

 

Zu Beginn des 3. Forums Kirche und Rechtsextremismus im Norden widmet sich Bev Thomas der Seligpreisung aus Matthäus 5,1-10. „Eine Seligpreisung ist ein Satz, der sagt, dass ein einzelner Mensch oder eine Gruppe von Menschen besonders selig, gesegnet oder ermutig sind.“ Doch was bedeutet diese Seligpreisung in der aktuellen Zeit? Was bedeutet heute „geistig arm“, „Leid tragen“, „Sanftmütigkeit“ oder „Barmherzigkeit“?

Bev Thomas stellt ihre persönlichen Gedanken zu diesen Fragen vor und schließt „The beatitudes demonstrate that we develop our consciousness in the presence of opposition. If we react when we are disliked, lied about and rejected we play into others hands.”

Bev Thomas lebt und arbeitet in Großbritannien. Sie ist Beraterin für soziale Fragen und Anti-Rassismus-Trainerin. An verschiedenen englischen Universitäten bildet sie zukünftige Pastor_innen für den Dienst in der multikulturell geprägten englischen Gesellschaft aus.

Weiter Informationen zu Bev Thomas finden Sie hier.

 
Broschüre

Vor Gott sind alle Menschen gleich

Cover der Broschüre "Vor Gott sind alle Menschen gleich"(PDF-Dokument, 5.4 MB)

© Andreas Krannich

 

Beiträge einer Rassismuskritischen Religionspädagogik und Theologie

Ein Kooperationsprojekt zwischen Aktion Sühnezeichen e.V., Evangelischer Akademie zu Berlin und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus mit Beiträgen von Dr. Eske Wollrad, Rainer Möller, Silke Radosh-Hinder, Dr. Christian Staffa, Dominik Gautier und Ayşe Cindilkaya.