Antisemitismuskritik

 
 

Antisemitismuskritik

 
AG Theologie ASF

Gedanken der AG Theologie von ASF zur Debatte um das „Alte Testament“

Aus dem Prolog von Dr. Dagmar Pruin,
Geschäftsführerin Aktion Sühnezeichen Friedensdienste:

„Angestoßen durch die Thesen des Berliner Systematikers Notger Slenczka, die er zuerst 2013 im Marburger Jahrbuch Theologie XXV in seiner Abhandlung „Die Kirche und das Altes Testament“ vorgelegt hat, veröffentlichen wir auf den nächsten Seiten Texte aus der Arbeit von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste – und zwar von Mitgliedern unserer Arbeitsgemeinschaft Theologie. In dieser Sammlung von Denkanstößen legen Menschen aus verschiedenen Generationen und unterschiedlichen Perspektiven ihre Verbindung zum ersten Teil unserer Heiligen Schrift dar.“

 

Autoren der Beiträge sind Thomas Held,Tilman Hachfeld, Marie Hecke, Robert Kluth, Aline Seel, Christian Keller, Christian Staffa. Außerdem zieht sich die „strukturierende, einordnende und verknüpfende Stimme“ Matthias Loerbroks‘ durch den Text und führt durch die verschiedenen Stimmen und kontextualisiert diese immer wieder auf die Debatte um Slenczka hin.

 
Prof. Dr. Alexander Deeg

Judentum und 'Christlich-Jüdisches' in der theologischen Ausbildung

© SeanPavonePhoto - Fotolia.com

 

oder: Die Frage nach der Einzigartigkeit des christlich-jüdischen Verhältnisses als Grundfrage und die Folgen für die Ausbildungspraxis
 

Vortrag gehalten am 05. Dezember 2016 auf der Tagung „Reform der Reformation“ der Evangelischen Akademie zu Berlin.

 

 

 

 

Die Tagung der Evangelischen Akademie zu Berlin hatte das Ziel, die gegenwärtige Situation anhand einer Studie der Universität Göttingen zu sichten und Wege der Veränderung und nachhaltiger Unterbrechung antijüdischer Haltungen in den Kirchen zu diskutieren. Die erste Feststellung dieser Tagung war, dass die Vorstellung, Erkenntnisse aus dem christlich-jüdischen Dialog seien inzwischen überall bekannt und eingearbeitet, mehr hehrer Wunsch als Wirklichkeit ist. Prof. Dr. Alexander Deeg widmet sich nun der Frage, ob das Verhältnis von Christentum und Judentum einzigartig ist, oder sich in ein interreligiöses Miteinander einordnen und neben das Verhältnis zu anderen nicht-christlichen Religionen stellen lässt. Sein Ergebnis ist, dass hier eine fundamental andere Beziehung besteht: „Judentum und Christentum sind eine Zwillingsgeburt der Spätantike.“ Dabei stelle das Judentum nicht einen zufälligen historischen Hintergrund des Christentums, sondern den notwendigen Bezugspunkt dar. Umso erschreckender sei es, dass man Pfarrer oder Pfarrerin werden könne, ohne mit den Einsichten und Ergebnissen des christlich-jüdischen Gespräch im Laufe des Studiums in Berührung gekommen zu sein. Im Laufe seines Vortrags macht Deeg ganz konkrete Vorschläge für Module, Inhalte und Auslandsaufenthalte.

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Prof. Dr. Alexander Deeg

Leben auf der Grenze

Die Externität christlicher Identität und die Sprachgestalt kirchlicher Gottesrede

Der Artikel ist erschienen in: Identität. Biblische und theologische Erkundungen (BThS 30), hg. v. Alexander Deeg, Stefan Heuser und Arne Manzeschke, Göttingen 2007, S. 277-300

In den späten 80er Jahren schien der Begriff der Identität als Ziel von Bildungsprozessen zumindest angeschlagen. In der Religionspädagogik geschah das nur sehr am Rande. Nach dem Zustandekommen der deutschen Einheit scheint er wieder zu neuem Leben zu erwachen. Erfüllt er doch scheinbar eine Sehnsucht nach Übersichtlichkeit und Zuordenbarkeit. In den letzten Jahren entstand eine identitäre Bewegung, die nationale und kulturelle Identitäten aggressiv verteidigt. Was das genau dann ist – schwer zu sagen. Aber es färbt ab auf pädagogische und Alltags- Diskurse, interreligiöses Lernen und kirchliche Kontexte. Wie aber sieht es aus christlicher Perspektive mit solcher Begrifflichkeit aus? Dem geht der Leipziger Praktische Theologe Alexander Deeg nach. Das heitere Spiel mit verschiedenen Rollen, der Feier der Diversitäten, dem Leben in ständigen, unberechenbaren Übergängen – all dies scheint vielen eher Angst zu machen denn verheißungsvolle Perspektive zu sein. So seine Beschreibung der Ausgangslage, von der aus er kritische Perspektiven auf biblisch-theologisch inspirierte Lebensentwürfe entfaltet.

 
Prof. em. Dr. Jürgen Ebach

Richtiges Leben im falschen?

Beobachtungen und Intuitionen zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Theologie

Vortrag bei der Theologischen Werkstatt Berlin, ein Kooperationsprojekt von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und der Evangelischen Akademie zu Berlin, 11.-13.09.2015

 

Die kritische Theorie ist für eine antisemitismus- und rassismuskritische Theologie von großer Bedeutung. Im Rahmen einer theologischen Werkstatt in Berlin hielt Prof. Ebach einen Vortrag, in welchem er eine theologisch-biografische Annäherung wagt. Er beginnt seine Ausführungen mit der Darstellung seiner eigenen Geschichte mit der kritischen Theorie. Als Student der Theologie galt sein Interesse vornehmlich dem Alten Testament und als Teil der Studentenbewegung wurden ihm Marx, Bloch, Horkheimer und Adorno wichtig. „In übertragener Bedeutung, aber auch ganz real lag auf der einen Seite meines Schreibtisches ‚der Gesenius‘, das Hebräische und Aramäische Wörterbuch zum Alten Testament, und auf der anderen Seite lag die ‚Dialektik der Aufklärung‘ von Horkheimer/ Adorno.“ Im weiteren Verlauf seines Vortrags widmet sich Prof. Ebach den Fragen, ob und wie Exegese und Theologie auf der einen und Marxismus und Philosophie auf der anderen Seite zusammengeht.

 
Henning Flad

Antisemitismus als Traditionsbestandteil des Christentums

Überarbeiteter Text für einen Vortrag zu einer Tagung von Reformierter Kirche und Aktion Sühnezeichen im Oktober 2015

 

In einer Übersicht fasst Flad bestehende Erkenntnisse zu Antijudaismus und Antisemitismus als Traditionsbestandteil des Christentums zusammen. Von der Frühgeschichte des Christentums über Luthers Schriften, die NS-Zeit sowie die heutigen Formen von Antisemitismus macht er deutlich, wie Gefühle unsere Wahrnehmung und damit unser Handeln prägen. Zwar gäbe es vielfältige positive Aktivitäten im christlich-jüdischen Dialog und entsprechende Organisationen, dennoch bestehe die Gefahr, dass dies zu stark auf Eliten und einzelne Teile der Kirche beschränkt ist. Zum Schluss widmet sich Flad auch der viel diskutierten Frage, wann Israelkritik antisemitisch ist.

 
Dr. Klaus Holz

Luthers Abweg

Die evangelische Kirche stellt sich dem Judenhass des Wittenberger Reformisten. Für die unselige Geschichte, wie der Protestantismus völkisch wurde, bleibt sie blind.

Artikel erschienen in der ZEIT am 24. November 2016.

 

Ansässig des 500. Geburtstags der Reformation 2017 stellt Klaus Holz, Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland, fest, dass noch nie auf derart hohem Niveau über protestantische Judenfeindschaft gesprochen, geforscht und geschrieben wurde. Was allerdings noch zu wenig selbstkritisch hinterfragt werde, sei die Bedeutung des deutschen Protestantismus für die Transformation des alten christlichen Antijudaismus in den modernen Antisemitismus. Auch wenn es vereinfacht wäre, einen direkten Weg von Luther zu Hitler zu sehen, so sei ein indirekter Weg doch zu sehen. Er sei durch das Selbstverständnis und den politischen Gestaltungsanspruch des Protestantismus als die eine neue, urdeutsche Religion eröffnet worden. So wurden auch vergangene Luther-Jubiläen im Sinne von Nationalismus und Krieg hochpolitisch ausgenutzt.

Holz fordert eine ehrliche Aufarbeitung der Rolle des Protestantismus an dieser Transformation und eine Grundlage der Politik, die sich nicht durch Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus und religiöse Feindschaft ihrer selbst vergewissert. Ein Interview mit ihm finden Sie hier.

 
Dr. Christoph Münz

Damit Gott sehe, dass wir Christen sind

Ursprünglich veröffentlicht auf JCRelations.net, Online-Journal des Internationalen Rates der Christen und Juden (ICCJ)

 

„Nachfolgender Aufsatz zeichnet – stellenweise bewusst überspitzt – die Geschichte des kirchlichen und theologischen Antijudaismus und Antisemitismus nach. Mir geht es dabei nicht darum, das Bild von der Geschichte des Judentums als einer „Opfergeschichte“ neu zu beleben, sondern in kritischer Absicht das Bild von der Geschichte des Christentums als einer 'Tätergeschichte' zu thematisieren. Dieser Ansatz mag provozieren – und das will er auch. Aus diesem Grund kann der Beitrag – vor allem in seiner ersten Hälfte – durchaus als eine 'Polemik' bezeichnet werden.“

Christoph Münz macht mit seinem Aufsatz deutlich, wie groß das Ausmaß des geschichtlich gewachsenen Antisemitismus ist und dass es gilt, gegen die Traditionen und Prägungen zweier Jahrtausende anzukämpfen. Doch ist er auch überzeugt, dass nach Auschwitz keine Mühe zu groß, keine Anstrengung zu schwer und kein Tabu unantastbar sei, um uns dieser Aufgabe zu stellen.

 

 
Axel Töllner

Judenfeindliche Darstellungen an der Nürnberger Sebalduskirche

Eine Handreichung der Kirchengemeinde St. Sebald

 

Der Flyer der Kirchengemeinde St. Sebald weist auf die judenfeindlichen Darstellungen in der eigenen Kirche und erklärt ihre Hintergründe. Im Zentrum steht dabei die „Judensau“-Plastik am Ostchor, aber er erläutert auch die Darstellung des Marienbegräbnisses nach der „Legenda Aurea“ am Marienportal und andere Kunstwerke im Kirchenraum. Der Kirchenvorstand bekannte sich im Jahr 2009 zum schwierigen Erbe der Gemeinde mit den Worten: „Voller Scham verbeugen wir uns vor den Millionen Opfern des Judenhasses. Wir bitten sie und unseren gemeinsamen Gott um Vergebung“.

Mehr zu Axel Töllner.

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Axel Töllner

Lange Schatten – Judenbilder in der Nürnberger Sebalduskirche

Eine Musikalische Nachtführung - 75 Jahre nach den Novemberprogromen

Eine geschichtliche Führung von Axel Töllner in der Kirchengemeinde St. Sebald, 11.November 2008

 

Wer sich in der Nürnberger Sebalduskirche bewegt, stößt auf Zeugnisse christlicher Judenfeindschaft: Mit Skulpturen und in Bildern würdigen sie Juden und das Judentum herab. Zum Gegenbild dieser Zerrbilder stilisieren sie das Christentum und seinen Glauben. Dieser Provokation stellen sich Menschen in dieser Gemeinde. Sie entschlüsseln die Bedeutung der mittelalterlichen Darstellungen und informieren über deren Schattenseiten. 75 Jahre nach den Novemberpogromen erläuterte der damalige Gästepfarrer Axel Töllner den Besuchern die Geschichte und Hintergründe der Darstellungen. Die Musik zwischen den Kunstbetrachtungen gab den Besucherinnen und Besuchern Raum, die Erklärungen weiter zu bedenken.

Mehr zu Axel Töllner.

 
Broschüre

Vor Gott sind alle Menschen gleich

Cover der Broschüre "Vor Gott sind alle Menschen gleich"

© Andreas Krannich

 

Beiträge einer rassismuskritischen Religionspädagogik und Theologie

Ein Kooperationsprojekt zwischen Aktion Sühnezeichen e.V., der Evangelischen Akademie zu Berlin und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus mit Beiträgen von Dr. Eske Wollrad, Rainer Möller, Silke Radosh-Hinder, Dr. Christian Staffa, Dominik Gautier und Ayşe Cindilkaya.

Broschüre (PDF-Dokument, 5.4 MB)